Der politische Covid Tango: ein Schritt vor, zwei Schritte zurück

Aufmerksame Beobachter weren bemerkt haben, dass es ständig sowohl ein politisches, als auch wissenschaftliches Hin und Her gibt. Nicht im Sinne einer Weiterentwicklung, sondern – bedingt durch Unwissenheit und Unsicherheit- ein ständiges Zögern!

Einleitend sei festgehalten, dass ich zu denen gehöre, die als Arzt die Gefährlichkeit der Covid19-Pandemie voll unterstreichen und unsere Gesellschaft, unsere Gesundheit dadurch sehr gefährdet sehen. Jede Katastrophe ist umso massiver in ihren Auswirkungen, je mehr dies eine unvorbereitete Gesellschaft und unvorbereitete Länder und Regierungen trifft.

Da drängt sich schon die Frage auf, ob die heutige Pandemiesituation wirklich so unvorhersehbar war und ob es nicht fast kriminelle Versäumnisse in der Vergangenheit gab, sich nicht vorzubereiten.

Dass es in unregelmäß9gen Abständen zu einer Pandemie kam, kommt und kommen wird, ist ein Faktum, das Eingang in die Wissenschaft und auch in die verantwortungsvolle Politik finden muss. Die Frage ist nur, wie bereitet man sich darauf vor, was lernt man aus Geschehnissen der Vergangenheit und plant für die Zukunft.

Da gibt es mehrere offene Fragen:

1; Welche Erreger drohen für die nächste Pandemie. Schon vor Jahrzehnten warnten viele Virologen, dass aus dem Bereich der Zoonosen gefährliche Viren die menschliche Gesundheit bedrohen könnten. Wir erinnern uns an die Vogelgrippe, MERS und SARS1 sowie die Schweinegrippe, die zur vorletzten Pandemie 2008/09 führte. Daraus abgeleitet ist klar, dass eine optimale Hygiene im Bereich der Nutztierhaltung eine wichtige Voraussetzung ist, um zukünftige Pandemien zu vermeiden. Diese Regel wurde politisch, denn nur vor dort können Regeln erlassen werden, in vielen Ländern und Kontinenten negiert. Auch jetzt soll ja ein Tiermarkt in Wuhan Ausgangspunkt gewesen sein.

2; Sowohl in den USA als auch in Deutschland versuchte man, ein mögliches Katastrophenszenario ausgelöst durch eine Pandemie wissenschaftlich fundiert auszuloten. In den USA gab es eine Studie aus 2005, allerdings unter Verschluss gehalten, und in Deutschland eine für den Deutschen Bundestag 2013 erstellte Studie, die öffentlich zugängig und publiziert. In beiden kam man zu dem Ergebnis, dass eine durch Coronaviren ausgelöste Pandemie mit horriblen Opferzahlen kommen könnte. Schaut man sich die damaligen Ergebnisse mit den heutigen Zahlen an, so decken sich die Voraussagen mit den heutigen Ergebnissen weitgehend. Man hat also sowohl politisch als auch wissenschaftlich die Gefahren verschlafen. Ein eigentlich krimineller akt. Weltweit tausende Verstorbene klagen an. Denn hätte man diese Ergebnisse ernst genommen, so wäre genügend Zeit gewesen, materielle Vorsorgen zu treffen, wissenschaftlich an Medikamenten zu arbeiten bzw. Vorbereitungen für eine Impfstoffproduktion zu treffen, sowohl qualitativ als auch quantitativ.

3; In der Analyse der vorletzten Pandemie 2008/09 durch die WHO und alle Mitgliedsstaaten wurde unter anderem festgestellt, dass weltweit ein Labornetzwerk etabliert werden muss, um möglichst frühzeitig Erstdiagnosen bei einem neuen Pandemieerreger zu erstellen und damit die „Vorwarnzeit“ extrem verkürzen zu können. Politische Worthülsen, denen keine Taten folgten.

4; Seit Jahrzehnten ist klar und offensichtlich, dass wir weltweit viel zu geringe Produktionskapazitäten für Impfstoffe haben, die meisten in Europa konzentriert. Auch hier liegt ein massives Problem, dass sich nun dramatisch bemerkbar macht. In der jetzigen Akut Phase heißt es nun Bitte warten! Hoffentlich überlebt man die Wartezeit.

5; Seit Jahrzehnten gibt die WHO Pandemiepläne als Leitlinie heraus, die jährlich upgedatet werden und allen Regierungen als Anhaltspunkt dienen sollen, um vorbereitet zu sein. In Österreich ist es immerhin gelungen, einige Jahre nichts zu tun und eben keine modernen Pandemieplan zu haben. Wenn der jetzige Minister sagt, es sei jetzt keine Zeit für eine Überarbeitung eines Notplanes, denn wir haben die Pandemie, ist das ein klares Bekenntnis des Unwissens.

6; Abgeleitet von den Pandemieplänen ergibt sich natürlich die Notwendigkeit, eine Krisenbevorratung anzulegen. Dies betrifft Schutzkleidung, Masken, Medikamente, medizinisches Verbrauchsmaterial. Hier ist nichts geschehen, auch durch den desaströsen Einfluss von Ökonomen, die hier Geld verschwendet sehen. Die schutzlose Tätigkeit des Gesundheitspersonals im Frühjahr 2020 zeigte diesen Skandal auf.

7; Österreich hatte bis etwa 2010 eine hervorragend aufgestellte Impfstoffproduktion und auch Forschung im Land, begonnen von Immuno und später übernommen von Baxter. 2008/09 war Österreich in der Lage, durch die im eigenen Land gelegene Produktion als eines der ersten Länder in Europa zu impfen. Jetzt müssen wir warten, was vom EU-Gabentisch für uns abfällt.

8; Impfen.Impfen…Impfen: Die Langsamkeit, mit der bei uns die Impfkampagne startet, ist menschenverachtend und ein Skandal. Was sind die Ursachen dafür?
Einerseits haben wir zu wenig Impfstoff bestellt und zum Teil auf das falsche Pferd gesetzt. Denn ein Impfstoff, der bei -70Grad gelagert werden muss, ist für flächendeckende Massenimpfungen nicht geeignet. Österreich hätte im Sommer so wie andere Länder zusätzlich Impfstoff bestellen können! Aber da hätte man dafür Geld ausgeben müssen. Und sich über Absichtserklärungen der EU-Kommission hinwegsetzen müssen. Deutschland hat das getan. Wir nicht!

In den Emiraten mit etwa 10 Mill. Einwohnern kann man pro Tag derzeit 140000 Menschen impfen. Weil man gut plant und administriert. Ebenso ist Israel ein positives Beispiel. Österreich hingegen zeigt, wie man es nicht macht. Kein Impfstoff, Zuwenig Impfstellen und vor allem kein Konzept. Seit 28.12., wo die ersten wenigen Impfdosen ins Land kamen, sind bis jetzt etwa 80000 Menschen angeblich geimpft. Jeder Tag Verzögerung bedeutet neue Krankheitsfälle, neue Sterbefälle. Und für diesen „Mist“ will natürlich niemand die Verantwortung übernehmen. Wobei gerechterweise festgestellt werden muss, dass es hier eine Fehler und Versäumniskette gibt, die seit etwa 2012 bis jetzt andauert. Es wäre falsch, nur die jetzt Verantwortlichen zu beschuldigen.

Lehren aus dem Chaos:

  • Erste Priorität hat ein flächendeckendes rasches Impfkonzept, wo bis Ende März mindestens 3 Mill. Geimpft werden sollten. Bis zum Juni70%.
  • Das Gesundheitspersonal ist im administrativen Bereich massiv zu unterstützen, da der öffentliche Gesundheitsdienst seit Jahrzehnten personell ausgeblutet.
  • In das Impfkonzeot sind die niedergelassenen Ärzte einzubinden, sowohl Allgemeinmediziner als auch Fachärzte
  • Mittelfristig muss Österreich versuchen, die vorhandenen Reste der Impfstoffindustrie wieder zu aktivieren und mit zu finanzieren. Autarkie ist extrem wichtig.
    Das gleiche gilt für Medikamente, med. Verbrauchsmaterial etc. Es kann nicht sein, dass wir nur von China und Asien abhängig, wo in Pandemiezeiten noch dazu die Transportwege sehr unsicher.
  • Den Wissenschaftlern gehört ins Stammbuch geschrieben, dass jeder überlegen muss, welche Folgewirkungen seine oft extremen Ratschläge haben werden. Auch im Bereich der medizinischen Versorgung. IM Frühjahr 2020 wurden 40% weniger Herzinfarkte und etwa 35% weniger TIA´s diagnostiziert, die natürlich trotzdem stattfanden. Und weil nicht diagnostiziert, die zu Dauerschäden geführt haben. Neben der Sicherstellung einer Versorgung für COVID erkrankte muss auch die Alltagsversorgung aller Erkrankungen weiterlaufen. Denn diese gibt es nun eben genauso weiter. Und oft bleiben derzeit diese Patienten unversorgt über oder erleiden durch Verzögerungen Folgeschäden.
  • Die mediale Kommunikation gehört schleunigst seitens der Regierung überarbeitet. Derzeit wird seit Monaten nur mit Negativberichten, Sterbezahlen und dem Tod gedroht. Tausende sind derzeit deswegen schon in Depressionen und Angststörungen gefallen. Interessiert niemand. Mit monatelangen Drohungen motiviert man niemand auf Dauer. Eine stille Abwehrhaltung und Verweigerung sind in weiten Teilen der Bevölkerung eingetreten. Nur so sind die zum Teil noch immer hohen Inzidenzzahlen zu erklären. Etwa 10-30% scheren sich überhaupt nicht um die per Verordnung auferlegten Schutzmaßnahmen.
  • Es wäre sinnvoller, seitens der Regierung einen Regierungssprecher einzusetzen, der tagtäglich auftritt und die Spitzen der Regierung sich voll auf die Bewältigung der Pandemie konzentrieren zu lassen. In Manchen Ministerien ist die Vorbereitung von Pressekonferenzen schon zur Tageshauptaufgabe geworden. Das merkt man dann an der Qualität entsprechender Schritte oder Verordnungen.

Zusammengefasst, alle Energie in Impfstoffbeschaffung, rasante Beschleunigung der Impferei. Eine exakte Analyse der Corona Fehler gehört in einem wissenschaftlich geführten Untersuchungsausschuss. Da die Politik zum Teil Täter, fällt diese wegen Conflict of interest aus.

Es kann nur und noch besserwerden. Jede Woche früher – einer halbwegs- Normalität erpart viel Leid, und viele Milliarden.

Prof. Dr.Hrabcik

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