Covid19 Update aus Deutschland vom 15.9.2020

Prof.Hrabcik

Gibt einerseits den Inhalt eines Webinars von diesem Tag unter Vorsitz von Prof.Ell und Prof.Sarazin-beide Wiesbaden- wieder und schließt auch die zwischenzeitlich publizierten Ergebnisse mehrerer Studien ein.

Als Fachexperten waren Prof.Rieg/Freiburg -Infektiologe und
Prof.Zepp/Mainz -Impfwesen vortragend

Einleitend stellte Prof.Sarazin die Infektionslage in D dar, die sich doch deutlich von A unterscheidet, weil erstens übersichtlicher und zweitens nicht so starke Anstiege bezogen auf die Bevölkerungszahlen. Aber auch in D ergeben sich insbesondere in Großstädten Cluster, die auf das Ignorieren der Verhaltensregeln und das Ablehnen der Pandemie zurückzuführen sind.
Bis zu einem Drittel der Neuinfektionen waren auf Urlaubsrückkehrer vor allem aus den Balkanstaaten zurückzuführen.

Die Spitalskapazität überall ausreichend, und die obligate Reservierung von 10-20% der Betten für COVID Fälle ist bis auf ein Bundesland überall aufgehoben. Das bedeutet insbesondere, dass die Tagesmedizin nun voll arbeiten kann.

Sperren von Ambulanzen wie jetzt bedauerlicherweise wieder in Vorarlberg gibt es nicht, sondern überall zwei Schienen, eine für Verdachtsfälle Covid und eine für die „normalen Fälle“ Man möchte in D den aufgetretenen Kollateralschaden nicht noch einmal wiederholen.

In D blinkt keine Ampel, sondern es gibt klare zahlenmäßige Vorgaben, ab welcher Zahl von Neuinfektionen ein gebiet hervorgehoben wird. Durch die Länderkompetenz ist auch eine etwas mehr individuelle Steuerung möglich bei klaren bundesweiten Rahmenvorgaben. Steuernd tritt das RKI auf, an dem sich die Politik voll orientiert. Nicht so in A.

Infektiologie-Prof Rieg

Goldstandard ist weiterhin der PCR-Test mit 90% Sensitivität und 99% Spezifität. Aber vor allem bedingt durch einen falschen Abnahmezeitpunkt und schlechte Abnahmetechnik gibt es 5-15% falsch neg. Ergebnisse.

Der PCR sollte zwischen 5.-7-Tag ab möglicher Infektion abgenommen werden. Ist der Zeitpunkt später, muss man tieferes Material wie Sputum heranziehen.
Optimal ist der Nasopharyngeal-Abstrich, auch gut gemeinsam Naso+Oropharyngeal.
Sieht man sich die Bilder von Abstrich Abnahmen an, die meist von kompletten Laien durchgeführt werden, wo ein bisschen im Pharynx herumgefummelt wird, habe ich meine Zweifel, ob die 5-15% falsch neg. Tests ausreichen.
„Gurgeltests “ haben derzeit keine internationale Evaluierung!

Schnelltests werden vom Experten bis dato nicht empfohlen.

Die Serologie ab Tag 14 zeigt 98% und kann als Ausschluss Diagnostik verwendet werden. Speicheltests haben derzeit eine zu geringe Sensitivität von 85%!

Therapie:

Aus vielen Kandidaten ist nicht viel übergeblieben:
Chloroquin und Hydroxychloroquin nein

Rekonvaleszenten Plasma, wirkt bei früher Gabe bis Tag3, Sterblichkeit geringer

Sollte aber derzeit nur in klinischen Studien verwendet werden.
Redemsivir: sollte früh eingesetzt werden, der Krankheitsverlauf verkürzt sich bis zu 4 Tage. Wirkt gut bei eher nur bei leichten Fällen bei geringer O² Sättigung.
Insgesamt wird derzeit nur eine moderate Wirksamkeit bestätigt.

Steroide: bis zu 36% geringere Sterblichkeit bei Fällen invasiver Beatmung. Klarer Benefit bestätigt!

Anti IL6: Im Rahmen von Superinfektionen kann die Notwendigkeit der Beatmung reduziert werden.

Derzeit das gängigste Schema: Redemsivir+Dexamethason möglichst früh und auch Heparin zur Vermeidung thromboembolischer Komplikationen

Auf die Frage: Wie soll man vorgehen bei den kommenden respiratorischen Infekten, wo es ja klinisch keine Unterschiede gibt, ob Covid19 oder nicht:

  • Wenn freie Valenzen, dann Abstrich und PCR
  • Wenn keine freien Valenzen, dann nur bei Risikogruppen Abstrich
  • Ideal ab Tag 6-7

IMPFEN Prof. Zepp

Eine aktuelle Umfrage einleitend zeigt, dass derzeit noch 42% eine Impfung ablehnen!

Er verweist auf den üblichen zeitlichen Ablauf zur Herstellung und Gewinnung eines Impfstoffes, der 3-8 Jahre dauert.
Nun versucht man, diesen Zeitraum zeitlich zu komprimieren:

Er verweist auf 3 übliche Phasen:
Phase I Dose and regimeselection 2-10 Jahre
Phase II Safety and Immunogenicity
Phase III Erprobung in großen Kohorten von 10000-30000

Er stellt weiters die verschiedenen Zugänge zu einem neuen Impfstoff dar, wobei er darauf hinweist, dass der derzeit propagierte Weg eines RNA Impfstoffes komplettes Neuland ist!

Neben genetischen Vakzinen wie DNA und RNA, die aber kurzlebig
Virale Vector Impfstoffe mit Adenoviren von Schimpansen

Proteinbasierte Impfstoffe, mit hochgereinigten Virusproteinen
Inaktivierte oder attenuierte Coronavirus Vakzinen

Auf Grund des weltweiten großen politischen Drucks haben sich in den USA 8 Impfstoffhersteller zu einem comitment gegen politischen Druck zusammengefunden

Zur Frage der Dauer der Wirksamkeit meinte Zepp, dass wir noch zu wenig Erfahrung beim Coronavirus haben, ob die AK rasch abgebaut werden.
aber selbst in diesem Fall würde noch das „immunologische Gedächtnis“ bleiben, dass im Infektionsfall innerhalb von 6 Tagen AK produzieren hilft.

Somit kann man zusammenfassend sagen, dass das euphorische Ankündigen der Politik, dass bald ein Impfstoff vorhanden sei, jeder seriösen Grundlage entbehrt. Selbst positivst eingestellte Experten rechnen nicht vor Sommer 2021 mit einem Impfstoff. Und dann wird sich auch die Frage stellen, in welchen Mengen der Impfstoff weltweit zur Verfügung stehen wird.

Wichtig ist auch eine jüngst publizierte Studie der Universität in St.Clara/Kalif., die die Mutation und genetische Veränderung des Coronavirus analysierte.
Laut dieser Studie hat sich die Infektiosität , damit der R0 Faktor erhöht, es dürfte aber unabhängig vom alter zu weniger pulmonalen Komplikationen kommen.

Eine zweite französische Studie beschäftigte sich damit, wieweit ein Influenzainfekt die Empfänglichkeit für eine Coronavirus Infektion erhöht.

Dabei wurden genaue Zahlen vom letzten Winter aus mehreren Ländern zur Analyse herangezogen. Es zeigte sich unter Influenzaerkrankten eine erhöhte Zahl an Coronavirus Infektionen. Unklar ist, was dazu führt. Eine Theorie führt eine erhöhte Spikeproduktion auf den Schleimhäuten an, wahrscheinlicher ist aber die altbekannte These, dass wir nun einmal unter einem bestehenden Infekt durch unser zum Teil überfordertes Immunsystem empfänglicher für eine weitere Infektion sind. Diese Fakten sprechen klar für eine Influenzaimpfung, noch dazu, da ja die Erstsymptome kaum unterscheidbar. Hoffentlich gibt es genügend Influenzaimpfstoff hoher Qualität.

20.09.2020 Prof. Hrabcik

Schreibe einen Kommentar