16.Covi-19 Update: Infektiologie und Neurologie

7.7.2020
Prof.Fätkenheuser Infektiologie Köln
Prof.Limmroth Neurologie Köln

Moderation Prof.Ell und Prof.Sarrazin beide Wiesbaden

Epidemiologische Lage D und Europa
In D gesamt 197000 Fälle die aktiven stiegen wieder von 4754 auf 6842 an
Die Zahl der neuen Tagesfälle ,war schon auf 192, stieg wieder auf 770. Auch diese wieder rückläufig.
Im Europaüberblick einer Reiseempfehlungsapp derzeit A und CH nicht unter den sicheren Ländern, da lokal hohe Anstiege.

Dzt in Europa 31 Cov-Apps. In Verwendung. In Island 40% sonst 3-7%. In A werden 9% Verwendung angegeben.aber nirgends gibt es Zahlen über gemeldete Ergebnisse, die sich aus der Verwendung der App ergeben.

In China strengstes System. Nur mit Verwendung und Vorzeigen der App kann man überall eintreten, so eine grüne Farbe erscheint.

Sowohl in der CH als auch A zeigen sich regionale kleine 2.Wellen, in Israel auch, hier sind auch Schulen betroffen.

INFEKTIOLOGIE Prof.Fätkenheuser

Eingangs stellt er fest, dass der Einfluss der großflächigen Verwendung von Klimaanlagen auf die Verbreitung noch nicht endgültig erforscht. Daraus ergibt sich, dass Klimaanlagen laufend und häufiger gewartet und hygienisch gereinigt werden sollten.

Er gibt einen Überblick über die Wirksamkeit von gesetzten Schutzmaßnahmen.

Eine Studie des Max-Planck-Institutes zeigt, dass der Ro Faktor treppenweise in Korrelation zu den verfügten Maßnahmen wie Verbot von Großveranstaltungen, Schul und Geschäftsschließung sowie Lock down abfiel.

Daraus ergibt sich, dass nur die Summe aller Maßnahmen einen entsprechenden Effekt zeigte.

Eine Nature Studie (Flaxmann epub.8.6.2020) zeigt den Einfluss nicht pharmakologischer Maßnahmen auf die Mortalität und den Ro Faktor

Der Ro Faktor geht stufenweise herunter, erst der Lockdown drückte diesen unter 1

Es gibt in der Studie auch Berechnungen, wie viele Todesfälle diese Schutzmaßnahmen verhindert haben

In D sollen es 560000 gewesen sein, in A 66000

Eine weitere Studie beschäftigt sich mit der Effektivität der Schutzmaskenpflicht in Italien (Zangh et al PNAS 10.1073) Diese zeigt deutlich die Wirksamkeit nach Einführen der Schutzmaskenpflicht. In N-Italien könnten damit 78000 Infektionen verhindert worden sein.

Bezüglich Kreuzimmunität zu anderen Coronaviren ist bis dato nichts bewiesen.
IN Flugzeugen ist ähnlich wie bei anderen Infektionskrankheiten der Sitzabstand (2 Reihen vor und dahinter) entscheidend für ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Auch im Zug muss man Masken tragen, sonst erhöhtes Risiko!

Eine US-Studie berechnete, was eine generelle Maskenpflicht in den USA erwirken könnte: Man könnte fast 400000 Infektionen bis 1.10. verhindern.

Zusammenfassung:

  • Nicht pharmakologische Schutzmaßnahmen sind in hohem Maß wirksam
  • Eine Kombination aller Maßnahmen ist notwendig
  • MSN haben eine hohe Schutzwirkung

Zur Frage einer 2.Welle vereist er darauf, dass diese in regionalem Umfang bereits existiert, CH, A, Israel, Balkan).

Bezüglich Herbst sind keine seriösen Aussagen derzeit möglich.

Zur Frage der Teststrategie:
Eine Studie von Larremore zeigt, je kurzfristiger und häufiger gezielt getestet wird, desto größer ist der Schutzeffekt
Daraus ergibt sich, dass in Breite und gezielt häufig getestet werden sollte!

Wie lange eine Immunität nach stattgefundener Infektion mit Covid19 anhält, kann derzeit nicht beantwortet werden.

Tests zur Selbsttestung sind derzeit in Entwicklung, aber im Moment noch nicht valide genug.

Mutation des Virus:
Häufige Mutation ist aufgetreten, wobei danach schon eine Zuordnung zu Ländern und Kontinenten erfolgen kann. Derzeit noch keine großen Auswirkungen auf Virulenz und Pathogenität. Die großen länderweisen Unterschiede sind primär auf ein Versagen des öffentlichen Gesundheitsdienstes, so er überhaupt existent und massive politische Entscheidungsfehler zurückzuführen.

LIMMROTH Neurologie

Der eintritt des Coronavirus in das ZNS dürfte, wenn dann hauptsächlich über den Tractus olfactorius stattfinden.

Das Coronavirus ist nicht neurotrop.

Schwere neurolog. Folgeschäden treten nach schwerem Verlauf und auch Langzeitbeatmung auf

Anosmie/Ageusie finden sich initial bei 80-85% aller Fälle (Dauer noch unbekannt)

Nach längerer Beatmung zeigt sich eine Hirnstammbeteiligung, die sich dämpfend auf die Atemfrequenz auswirkt.

SEKUNDÄRSCHÄDEN

  • Cerebrovasculäre Komplikationen wie Ischämien, Embolien
  • Zentral periinflammatorische Herde
  • Zentral periinflammatorische Syndrome wie GBS, MFS

Das Ausmaß der Komplikationen variiert sehr Wuhan 36%
Straßburg 84%

Davon 20% Schlaganfälle

In Italien trat in 0,5% der Fälle ein GBS auf

Es gibt eine breite Palette an neurolog. Symptomen wie
Anosmie/Ageusie
Myalgie
Meningitis
Anfälle
Undine´s Syndrom
aus der Literatur zeigt sich, dass es derzeit wenig Liquor Analysen und auch wenig biildgegebende Dokumentationen gibt

Bei der MS, die unter immunologische Therapie steht, könnte diese den befürchteten Zytokinsturm verhindern.

Kollateralschaden Neurologie: in D bis zu 40% weniger TIA´s und Insulte diagnostiziert. Was für Betroffene das Risiko eines späteren schwereren Verlaufes erhöht

Insgesamt ist aus den täglich wachsenden Erkenntnissen und Wissensstand nur zu empfehlen, dass bei dem Personal, dass zur Bekämpfung der Pandemie eingesetzt und einem erhöhtem Infektionsrisiko ausgesetzt, bei allfälligen medizinischen Problemen eine exakteste Dokumentation und Abklärung erfolgen muss. Dies auch insbesondere deswegen, da derartige Covid Infektionen mit folgenden Komplikationen und Dauerschäden eine Berufserkrankung darstellen!

12.07.2020

Prof.Dr. H.Hrabcik

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