COVID-19 – Mythen und Fakten aus 14 Webinaren

Aus 14 Webinaren, der derzeit zur Verfügung stehenden Literatur von WHO und ECDC und einem Kommentar des emer.Direktors des CDC ergibt sich folgende Analyse pro futuro:

Die Infektionswelle der Pandemie wird in jenen Ländern, die einen wirksamen öffentlichen Gesundheitsdienst haben, auf niedriger Zahl bis Ende 2021 weiterlaufen. Eine vorzeitige Beendigung der Infektionswelle könnte nur ein Impfstoff erbringen, der aber nicht greifbar. Das heißt, wir werden uns in unserem privaten und beruflichen Alltag an die nun geänderten Umgangsformen halten und gewöhnen müssen. Dabei spielt das physical distancing mit einemCovidmeter, Vermeiden großer Menschenansammlungen, Händehygiene und bei Bedarf Masken tragen eine Rolle.

Derzeit gibt es 4 Hauptstämme mit 9 Untergruppen, die Kontinent Weise etwas unterschiedlich

Derzeit gibt es kein First Line Medikament. Einzig Redemsivir ist bei frühzeitigem Einsatz in der Lage, den Krankheitsverlauf etwas zu verkürzen und die Symptome zu lindern.

Es gibt eine große Anzahl von Impfstoffstudien, aber noch keinen durchschlagenden Erfolg. Und, da ja auch die Sicherheit bei einem neuen Impfstoff ganz wesentlich, sind noch große Studien über die Verträglichkeit und allfällige Nebenwirkungen notwendig. Berücksichtigt man den dabei notwendigen beträchtlichen zeitlichen Aufwand, so ist im günstigsten Fall nicht vor Herbst 2021 mit einem sicheren Impfstoff zu rechnen. Und selbst bei Vorhandensein eines neuen Impfstoffes wird sich sehr bald die Frage ergeben, wie viele Impfdosen in Österreich überhaupt erhältlich sein werden.

Die Infektionskette läuft über eine Tröpfcheninfektion, wobei die Infektiosität schon vor den ersten Symptomen gegeben ist. Das physical distancing hilft hier sehr. Auch die Schmierinfektionen spielen eine kleine Rolle. Das Tragen von Schutzmasken hilft, das Infektionsrisiko zu reduzieren, so die Kontaktzeit und auch die Entfernung der Personen beachtet wird. Grundsätzlich ist die Wirksamkeit von Schutzmasken sehr wohl im Tierexperiment nachgewiesen. Trage ich eine Schutzmaske, so wird die gefährliche Kontaktzeit von etwa 10 auf 20 Minuten verlängert, bevor es heikel wird.

Hinsichtlich der Risikogruppen spielt das alter allein nicht die Hauptrolle, sondern in Kombination mit Hypertonie, Herz/Kreislauferkrankungen, Diabetes und dem Rauchen. Allen diesen Risikofaktoren ist eigen, dass diese bereits allein Endothelschäden im Kapillarbereich verursachen, wozu dann die COVID eigene Gefäßschädigung dazu kommt.
Im Alter unter 55 spielt als Hauptrisikofaktor Nr1 die Adipositas die Hauptrolle.

Der Krankheitsverlauf zeigt, dass etwa 82% symptomlos erkranken, etwa 14% haben mittelschwere Symptome und 5% schwere Symptome und werden intensivpflichtig. Der zeitliche Scheidepunkt über die Art des Verlaufes tritt etwa nach 7-10 Tagen ein.

In der Lunge kommt es bedingt durch das Coronavirus zu massiven Kapillarchäden. Eine Neoangiogenese startet, die aber keine funktionsfähigen Kapillaren produziert. Dazu kommt noch eine massive Koagulopathie. Insgesamt kommt es im Finalstadium zur Ausbildung eines Re-Li Shunt. In der Niere werden die proximalen Tubuli geschädigt, da auch dort ACE2 Rezeptoren vorhanden. Dies führt zuerst zu einer Albuminurie, später zu einer massiven Proteinurie.

Bei den älteren Mitbürgern sollte man nicht den Begriff social distancing, sondern physical distancing verwenden. Es ist absurd zu glauben, dass man monatelang Alte quasi in Einzelhaft ohne jedweden sozialen Kontakt leben lassen kann. Hier war die Anfangsbotschaft dem Grunde nach richtig, aber in der Ausführung falsch.

Spätfolgen:
hier haben sich 3 Hauptsymptome herauskristallisiert:
Fatigue durch Monate (Genese unklar, vielleicht Mikro Thromben in Muskel und Nervengewebe), Abnahme der Lungenfunktion und eingeschränkte Belastungsfähigkeit wie bei einer Fibrosierung,Große Vergesslichkeit

Diagnostik: der Goldstandard dafür ist der PCR (mit Thorax-CT 100%)
Hinsichtlich der AK-Tests bis dato keine zufriedenstellenden Ergebnisse hinsichtlich Sensitivität und Spezifität und Kreuzreaktionen.
Besonders wird vor den Schnelltests gewarnt. Hier keine seriösen Aussagen möglich.
Bezüglich Immunitätsfeststellung hilft derzeit nur die Bestimmung der neutralisierenden Antikörper. Bei großen deutschen Studien zeigte sich, dass etwa 5-7% selbst bei nachgewiesener Infektion mit Covid19 keine neutralisierenden Antikörper produzieren.

Unbekannt ist derzeit auch, wie lange eine Immunität nach einer Infektion anhält bzw. wie lange ein möglicher Impfstoff schützen könnte. Experten glauben, dass ein Impfregime ähnlich zu Influenza in Abständen mit Boosterungen agieren müsste.

Herdenimmunität: Eine Schutzfunktion durch diese ist erst bei einem Ausmaß von 60-70% zu erwarten. Erste größere Studien zeigen, dass wir in Ländern mit effektiver Eindämmung der Pandemiewelle Werte zwischen 5-15% erreichen, also noch meilenweit von einer ausreichenden Herdenimmunität entfernt sind. Es wird Jahre dauern, bis wir dies erreichen werden.

Zusammenfassend muss man davon ausgehen, dass wir in den nächsten 2 Jahren unseren jetzt geänderten Lebensstil sowohl privat als auch beruflich beibehalten müssen, wenn wir kein Wiederaufflackern der Infektionswelle wollen. Wie schnell ein Impfstoff zur Verfügung, ist unsicher und ob überhaupt. Die Herdenimmunität können wir nicht abwarten. Genau zu beobachten wird sein, in welcher Form die Mutationen des Coronavirus weitergehen und ob das eine Änderung der Gefährdungslage mit sich bringt. Im Bereich unsere zwischenmenschlichen und sozialen Umgangsformen wird man versuchen müssen, hier einen neuen Weg zu finden, der nicht Risikogruppen stigmatisiert und ausgrenzt. Was schwerwiegende Folgen nicht nur bei den Älteren, sondern auch bei unseren Kindern haben würde. Das hier theoretisch ein gefährlicher Generationenkonflikt entstehen kann, zeigen die Aussagen des Oberbürgermeisters von Tübingen, die lauteten:“ Wir retten nun diejenigen, die sonst auch in 6 Monte gestorben wären“

Weiters werden wir lernen und unsere Ablaufsysteme darauf ausrichten müssen, dass neben der Versorgung von COVID kranken auch alle anderen Akut und Chronisch kranken effizient weiterversorgt werden. Eine totale Blockade der Gesundheitsversorgung insbesondere im Spitalsbereich, wie sie jetzt durch fast drei Monate erfolgte, hat eine massive Zahl von Kollateralschäden ausgelöst, die zum Teil irreparabel oder nur schwer wieder beseitigbar

Und wir müssen endlich daran gehen, uns auf die Zukunft vorzubereiten, was bedeutet:

  • Pandemiepläne laufend updaten
  • Betriebspandemiepläne erstellen
  • Bevorratung von Schutzkleidung und lebenswichtigen Medikamenten
  • Förderung der Impfstoff Forschung

15.06.2020, Prof.Dr.Hubert Hrabcik

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