Covid-19 Konferenz 11.4.2020: Zusammenfassung eines internationalen Webinars mit 7 Speakern aus 3 Kontinenten

Prof.MedR.Dr.Hubert Hrabcik Facharzt für HNO-Krankheiten Allg.beeidet.u.gerichtl.zertif.Sachverständiger


Virtual CovidCon (11.4.2020) WebSummit

China , Sichuan University, Prof.Fengming Luo: wurde zur Unterstützung mit 42 Ärzten und Schwestern nach Wuhan eingeflogen. Er berichtete, dass es etwa 1 Woche dauerte, bis eine genaue Diagnose mit Identifizierung des neuen Covid19 Virus feststand. Derzeit geringe Zuwachsraten in China, zum Großteil von einreisenden Chinesen, die aus dem Ausland kommen und sehr genau kontrolliert werden. Die Ausbreitung nach Epidemie sei deswegen nicht in andere Millionenstädte weitergegangen, weil relativ rasch sowohl die Provinz als auch die Stadt Wuhan streng abgeriegelt wurden und in der Stadt eine strenge Quarantäne erfolgte. Heimquarantäne hieß, dass man das Wohnhaus nicht verlassen durfte und wenn, nur unter Kontrolle. Für ihn war auch die Auskultation mit einem verstärkten Stethoskop wichtig, da hier klassische Befunde. Nicht bei allen konnte ja ein CT gemacht werden. Lehren: Die strenge Quarantäne, die Abschottung der Region und auch die Verstärkung mit Personal brachten ein rasches Absinken der Neuinfektionen. Und auch der Lockdown der Infrastruktur


Bericht über Korea, Prof. Windisch, Pasteur Institut
: Berichtete, dass sehr früh ein strenges Regime aufgezogen wurde, bestehend aus:
Umfangreichen Tests mit Contact Tracing und strenger Quarantäne für positiv Getestete und deren Kontaktpersonen. Zugang zu Tests ist auch frei zT mit Drive-in, dabei strenge Identifikation mit Registrierung SMS über Infektionsschwerpunkte • Schließung der Schulen und Universitäten, Verbot jedweder größerer Veranstaltung • Maskenträgen-jeder Bürger erhält pro Woche 2 Masken, zahlt dafür 5€ • Social distancing mit 5m
Damit kein Lockdown notwendig und relativ rasch wurde die Infektionskurve abgeflacht
Bezüglich Antikörpertests liegen derzeit noch keine verlässlichen Daten vor! Dass alles so rasch realisiert werden konnte, ist auf die Vorbereitungen im Land als Reaktion auf die MERS-Pandemie zurückzuführen. Bezüglich der jetzt angeblich 49 Re-Infektionen liegen noch keine Ergebnisse vor. Möglicherweise haben fehlerhafte PCR dabei zu früh negative Ergebnisse gebracht. (die Sensitivität des PCR liegt ja nur bei 70% und auch die richtige Abnahme Technik ist wichtig)


Lehren aus Wuhan: • Personenidentifikation • Isolieren und Quarantäne der positiv Gestesteten und Kontaktpersonen mit Contact Tracing • Schutzmasken für jeden. Damit konnte auch ohne totalem lock down eine flache Infektionskurve erzielt werden


NY Lenox Hospital, Dr.Nicholas Skipitaris-Kardiologe :
Wieso so eine extreme Eskalation bes.in NY auftrat? Verkehrsknotenpunkt, 95% der Infektionen nach Typing aus Europa durch einreisende und zögerliche Maßnahmen, die zu spät kamen, In bestimmten Regionen Überalterung und schlechte soziale Lebensbedingungen, bis dato keine genetische Prädisposition von Afroamerikanern Bis dato keine speziellen kardiologischen Komplikationen. Um Platz im Spital zu bekommen, wurde bei vielen Patienten zwecks Entlassung eine Überwachung mit implantierten Devices.Wegen der stattgefundenen Diskussion wird zwar eine laufende Hypertonietherapie mit ACE-Hemmern weitergeführt, aber derzeit keine Neueinstellung mit ACE-Hemmern begonnen( eher Angst vor Klagen) alle stat. Covid-Pat werden automatisch antikoaguliert. Glaubt, dass der Lockdown noch einige Wochen notwendig.


München Klinikum rechts d.Isar, Doz.Dr. Christoph Spinner-Infektiologe: Im Moment noch ausreichende Kapazität, auch auf den ICU´s Derzeit läuft eine Seroprävalenzstudie, die Ende April abgeschlossen Die CFR sei deswegen niedrig, weil man ausreichend Zeit hatte, sich auf die Situation vorzubereiten. Bezüglich einer möglichen Transmission über Aerosol verweist er auf eine jüngst publizierte Arbeit, wo bei Frettchen eine Aerosolübertragung als möglich nachgewiesen wurde. Die Diskussion darüber sei noch offen. Bezüglich serolog. Antikörpertests und deren Spezifität stellt sich heraus, dass das IgA nur kurzzeitig erhöht, länger bleibt das IgM erhöht. Bezüglich Kreuz Reaktivität fehlen noch valide Daten, hier laufen Untersuchungen.

 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof.Alexander Kekule Virologe:
Der länderweise sehr unterschiedliche Verlauf ist nicht auf varierende Subtypen oder größere drifts/shifts zurückzuführen Ein etwas früherer Start von Maßnahmen wäre in D hilfreich gewesen Wann man die Einschränkungen wieder lockern könne?
• Wenn die Neuinfektionen so abgesunken, dass es möglich ist, in jedem Fall ein Tracing back durchzuführen und damit Cluster zu isolieren • Daher maximal und ohne Einschränkungen testen • Zuerst mit Jüngeren im Ausstieg beginnen, weil damit die Belastung der ICU´s nicht so groß.
Bezüglich des Zytokinsturms verweist er darauf, dass dieser altersunabhängig auftrete und somit auch jüngere treffen können: Erste Erfahrungen mit Redemsivir zeigen, dass dessen Einsatz eher nur in der Früh Phase wirkungsvoll, nicht als Ultima Ratio. bezüglich Vakzine seiht er 2 grundsätzliche Wege
-mit einem Virusprotein (klassischer Weg) und auch größere Sicherheit – mit RNA Molekülen, aber technisch schwieriger und langwieriger


Beim Coronavirus ist kein „optimaler“ Impfstoff notwendig, selbst eine 2/3 Effizienz würde noch ausreichend Schutz bieten und wir haben den Vorteil, dass beim Coronavirus eher langsam drifts oder allfällige seltenere shifts auftreten. Trotzdem könnte ein jährlich adaptierter Impfstoff notwendig sein. Die Weiterentwicklung werde sich nun im beginnenden Winterhalbjahr der südlichen Hemisphäre zeigen.
Gute Erfolge gäbe es mit dem Einsatz von Plasma, aber ein frühzeitiger Einsatz sei sinnvoll. Bald werde es ein Therapiepackage als Empfehlung für die ICU´s geben.


Italienisches Epizentrum, Prof.Patrick Welte Pneumologe:
Zur aktuellen Situation meint er, dass sich derzeit der Zu und Abgang in den ICU´s die Waage hält. Er glaubt, dass man in 2-3 Wochen langsam und schrittweise mit dem Lockdown zurückgehen kann.
Wieso ist die Situation in Italien viel dramatischer: * ein höherer Altersdurchschnitt * in Nord-Italien besonders viele Pendler und auch Chinesen * zu spätes Einsetzen der notwendigen Maßnahmen und schlechte Zielsteuerung, damit Import der Covidfälle direkt in Spitäler und Altersheime


Indien: Prof. Davasayaham Christopher Pulmologe; Dr. Om Shrivastav Immunologe:
Man habe in Indien streng die Reisebewegungen beachtet. Bei Verdacht oder positive Tests erfolgte sofort ein strenge Quarantäne und Containment mit Contact Tracing: Noch mehr Tests seien notwendig. Er glaube, dass auch die Oberflächenkontamination eine größere Rolle spiele, weil man einige Fälle ohne Reise oder Kontakt zu Erkrankten gefunden habe.
Gesundheitspersonal trage jetzt generell eine Schutzmaske und bei definierten Tätigkeiten eine FFP2 Maske. Hydroxychloroqin wurde in vielen Fällen gut vertragen aber frühzeitiger Einsatz günstiger. Die Verwendung von Plasma sei in Überlegung. In den Lungen basal zeigen sich viele Mikrothromben oder Embolien.

Prof.Dr.Hubert Hrabcik Ordination: 1080 Wien, Josefstädterstrasse 3 Tel 0664 1919197 Fax: 0720115190

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