Covid19-Pandemie: Fakten und Mythen

29.03.2020

Unter Berücksichtigung der bis zum 28.3. zugänglichen Publikationen und Vorträge von anerkannten Wissenschaftlern möchte ich hier eine Analyse machen und die vorliegenden Ergebnisse und Erkenntnisse mit jenen wissenschaftlichen Erfahrungen zur Influenza vergleichen.

Wieder einmal hat aus dem Bereich der Zoonosen ein Virus zugeschlagen. Bekannt und gesichert ist, dass das covid19-virus seinen Ursprung in Fledermäusen hat und über einen Zwischenwirt Zibetkatze und ein anderes Schuppentier, das gerne in China verspeist wird, den Weg zum Menschen fand.
Relativ rasch hat die Evolution dieses Virus eine Übertragung von Mensch zu Mensch sichergestellt. Dabei tritt eine doch wesentlich höhere R
Faktor von 2,5 bis 3 auf, der, würde man die symptomlosen Infektionen berücksichtigen, noch höher wäre.
Damit höhere Übertragbarkeit als bei Influenza

Der Infektionsweg ist auch hier entweder (überwiegend) eine Tröpfcheninfektion und seltener eine Schmierinfektion. Begünstigt wird dies durch eher nur widerwillig bis schlampig ausgeübte Hygiene nicht nur in der Bevölkerung, aber auch in den Gesundheitsberufen. Um die Übertragungswelle Tröpfcheninfektion zu berücksichtigen, sollte also ein Sicherheitsabstand zu anderen Menschen gewahrt werden, ein Corona Meter ist das mindeste, 1,5m bis 2m sind optimal.

Schutzmasken: diese haben sehr wohl einen Schutz Effekt, allerdings kommt es auf die jeweilige Exposition an, ob ein Tragen sinnvoll.

Gehe ich im Grünen allein spazieren, brauche ich keine Schutzmaske. Je enger andere mir rücken, desto sinnvoller ist es. Die Warteschlange bei der Post oder bei der Kasse im Supermarkt kann ein Expositionsrisiko darstellen.

Habe ich entweder manifest Erkrankte oder Verdachtsfälle zu betreuen, so soll sowohl der Erkrankte als auch ich selbst eine Schutzmaske tragen.

Bei normalen Tätigkeiten wird eine Schutzmaske im Sinn einer OP-Maske genügen. Im Gesundheitsbereich sind bei allen Tätigkeiten, wo es zu einer Aerosolbildung kommen Kann (Endoskopie, , Nähe bei der Pflege zB) FFP2 Masken angebracht. Die müssen aber dicht und ordentlich sitzen. Vorsicht bei Bartträgern! Und sollten das CE Kennzeichen tragen. Es wird interessant, welche Produkte nun die Regierung auf den Markt bringt.

Handhygiene: Neben der Eintritts Pforte Atmungstrakt spielt auch die Handhygiene eine entscheidende Rolle. Und dies auch im Alltag. Alle von vielen dauernd angefassten Flächen wie Türschnallen, Haltestangen, die Griffe bei Einkaufswagen werden selten gereinigt und dort kann es zu einer Schmierinfektion kommen. So lange wir uns nicht nun mit dieser Hand ins Gesicht oder den Mund greifen, passiert noch nichts. Denn häufiges Händewaschen mit warmen Wasser über 30 Sekunden in richtiger Ausführung hilft eindeutig.
Bei Manipulationen an Erkrankten sollten auf jeden Fall Handschuhe getragen werden.
Und nie auch nur unabsichtlich ins Gesicht fahren

Oberflächen können am besten mit 67-71%igem Alkohol laufend gereinigt werden. Einwirkzeit mindestens 1 Minute.
annähernd gleiche Verhältnisse wie bei Influenza-Hygiene endlich in unseren Alltag!

Schutzkleidung und ihre Verfügbarkeit

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man sich auf Krisen wie diese entsprechend rechtzeitig vorbereiten muss. Da gilt, einmal darauf zu schauen, ob wir nicht auch im eigenen Land Produktionsstätten für Schutzkleidung und Medikamente haben oder deren Bildung fördern, sondern sich auch durch Rahmenverträge abzusichern, damit eine laufende Nachlieferung erfolgt und wenn das sich als schwierig erweist, Vorratslager anlegt.

Aus den Erfahrungen der letzten Influenzapandemie 2009/2010 war klar, dass dies hilft. Die zuständigen Regierungen und Politiker haben dies aber sträflich vernachlässigt und verschlafen. Dazu kommt, dass das Gesundheitswesen seit über 2 Jahrzehnten sich im Würgegriff von Ökonomen und Wirtschaftlern befindet und zu Tode gespart wurde.

Wesentlicher Unterschied ist, dass es derzeit keinerlei wirksame spezifische Therapie gibt und auch keinen Impfstoff. Die politischen Verzweiflungsrufe, „wir warten auf ein in Bälde verfügbares Medikament „sind unseriös und in Wahrheit eine Lüge. Denn frühestens zu Jahresende, WENN WIR AUS DEM Topf der bereits zugelassenen Medikamente etwas mit Teil Wirksamkeit finden, könnte eine Lösung in Sicht sein. Und dann taucht die nächste Frage auf, in welchen Mengen.

Die Entwicklung neuer Medikamente, so dringend sie auch benötigt werden, muss trotzdem mit der für jeden Patienten verlangten größtmöglichen Sicherheit geschehen. Das braucht etwas Zeit.

Genauso verhält es sich mit einem neuen Impfstoff. Mir sagen Optimisten, dass einer frühestens Ende 2021, wenn es eine seriöse Studienlage gibt, zur Verfügung steht.

Und hier liegt ein zweites wichtiges Versäumnis. Wir haben in Österreich aber auch in der EU, kaum die entsprechende Grundlagenforschung. Förderung-wozu? Studienbedingungen-uninteressant!

Viele anerkannte Wissenschaftler sind deswegen entweder nach Nordamerika oder nach Asien „geflüchtet“ weil man dort ihre Tätigkeit zu schätzen wusste. Hier hätte die Gesundheitspolitik schon seit Jahrzehnten mehr dahinter sein müssen!

Health in all policies!!

Daher auch kein ‚wunder, dass es derzeit eine Einkaufsschlacht um Test Kits für den PCR gibt und damit einen Mangel. Seit Jahren hätte man einen Laboreinsatzplan für Österreich etablieren müssen, um in der ganzen Landesbreite Tests zu ermöglichen.

Abnahmetechnik Schwachpunkt: Erste vergleichende Ergebnisse zeigen, dass die Aussagekraft der PCR-tests sehr davon ABHÄNGT; WER MIT WELCHER QUALITÄT DIE ABSTRICHE DURCHFÜHRT: Das ist keine Aufgabe für ungeschulte Laien. In D zeigten erste Vergleichsstudien, dass bei falscher Technik Tests an aneinander folgenden tagen unterschiedlich Ergebnisse zeigen!

Das wird sich nicht so schnell ändern.
Und die seitens der Politiker angepriesene Wunder Waffe der Antikörpertests: Da melden seriöse Wissenschaftler durchaus Bedenken über die Treffsicherheit an. Denn bei einigen der neuen Antikörpertests findet man Antikörper generell gegen Coronoaviren und wiegt sich dann in falscher Sicherheit.

Zahlen und Statistik

Man hat den Eindruck, dass es nun von den Aussagen von Statistik Experten abhängt, wie wir weiter agieren und reagieren.

Dabei werden derzeit –Message Control? – dauernd Äpfel mit Birnen verglichen.

Ein kleines Beispiel:

Mit 28.3. gab es in Österreich 8291 positiv getestete. Sind das die Gesamtzahl der Erkrankten-Keine Rede.

Wir wissen, dass es eine hohe Dunkelziffer von Virus Trägern gibt, die symptomlos oder sich mit geringen Symptomen selbst behandeln. Das RKI nimmt einen Faktor 10 an.

Rechnet man nun zu den 8291 pos. Getesteten noch etwa 8000 leicht erkrankte dazu, so finden wir mit heute etwa 90000 Virusträger, davon 8291 mit deutlicher Symptomatik. DAS heißt:

9,21% der Virusträger erkranken mit Symptomen.

Fatality rate=Todesrate:

Mit heute sind bedauerlicherweise 68 Menschen verstorben. Rechnet man das auf die positiv getesteten um, so beträgt dies 0,8%:

Rechnet man das auf die Gesamtzahl der Virusträger, so sind das 0,07%.

Die Politik ist nun weltweit im Dilemma. Der Krieg zwischen Wirtschaft und Gesundheitsinteressen ist voll ausgebrochen. Das haben wir ja im Kleinen schon in Tirol erlebt.
Das eine Pandemie große Auswirkungen auf die Wirtschaftslage hat, ist nicht neu. Man muss mit einem ‚Sinken des BIP zwischen2,5% bis 5% rechnen. Dramatisch. Dazu kommt noch, dass viele Experten mit einer zweiten, aber etwas schwächeren Welle rechnen!

Die Pandemie wird uns daher bis zum Ende des heurigen Jahres intensiv beschäftigen. Derzeit sind angeblich nur die „alten“ gefährdet. Der Leiter der intensiv der TU München berichtete aber gestern, dass sich die Altersstruktur deutlich auf die Gruppe 30-50 verschiebt. Erfreulicherweise sind bis dato fast keine Kinder von schweren Verlaufsformen betroffen.

Vergleiche mit Italien und Spanien gefährlich bis falsch

Gerne wird PR.mäßig zur Sensibilisierung der Bevölkerung mit der „Todeskeule“ gearbeitet. Es ist traurig, wenn wir die Situation in Italien und Spanien erleben müssen. Aber warum spielt es sich dort so deutlich dramatischer ab?
Seit Jahrzehnten besteht dort ein vollkommen überfordertes und desolates Spitalswesen. Das ECDC veröffentlichte 2015 Zahlen über die Häufigkeit von Todesfällen bedingt durch nosokomiale Infektionen in den EU-Ländern. (sie kommen ins Spital mit einem Beinbruch und versterben dort an einer im Spital erlittenen Lungenentzündung!)

Hier haben sowohl Italien als auch Spanien eine mehrfach höhere Todesrate. Das heißt, die Ausgangslage war dort katastrophal, daher so viel mehr höhere Todesopfer. Hie liegt eindeutig ein Versäumnis der Politik vor, weil man diese „Schweinereien“ lange wusste, aber nichts dagegen tat.

Krisenkommunikation

Es ist nicht Aufgabe eines Gesundheits oder Innenministers, tagtäglich vor die Medien zu treten und Neuigkeiten zu verkünden. Das widerspricht jedem Krisenmanagement. Dazu holt man sich einen qualifizierten Sprecher, der die News weitergibt, am besten in einer Videokonferenz. Und es ist auch eine politische Aufgabe, mit den Medien Vertretern verantwortungsbewusst zu reden, damit eine Berichterstattung so läuft, dass damit nicht Panik und Angst ausgelöst wird. Das ist jetzt passiert.

Zusammenfassung:

  • Die laufende Überarbeitung der seit 2006 vorliegenden Pandemiepläne ist seit 2010 unterblieben
  • Keine vorausschauende und rechtzeitige Krisen Bevorratung und Rahmenverträge zur Absicherung der Lieferung von Schutzkleidung, Medikamenten und Impfstoffen
  • Keinerlei Versorgungsautarkie auch nur in Ansätzen im Bereich der medizintechnischen Industrie
  • Keine Pläne für Kern und Schlüsselpersonal zu seiner Absicherung, Versorgung
  • Viel zu späte Schließung der Grenzen für Risiko Personen (zB Direktflüge aus China oder über Umwege)
  • Mangelnde Transparenz beim sogenannten Expertenstab_Wer, warum, welche Kenntnisse
  • Der OSR bis dato nicht einberufen?

Es wäre nun falsch und unseriös, all diese massiven Versäumnisse dem jetzt agierenden Gesundheitsminister anzulasten. Denn er hat erst seit Dezember seine Funktion übernommen. Hier wird man in einer detaillierten Aufbereitung am besten in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss Sache reden müssen.

Unter Umständen werden zwischenzeitlich bereits gestartete internationale und nationale Strafrechtsverfahren hier einige Vorarbeit leisten.

Prof.Dr.Hubert Hrabcik

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