Hausgemachte Pandemie und die Bewältigung durch Health in all Policies

Seit Jahrzehnten ist jedem klar, dass es gilt, sich auf Staatsebene auf außergewöhnliche Ereignisse vorzubereiten. Dies ist auch in der Medizin und im public health-Beeich nicht anders.

Seit Jahrzehnten hat die WHO alle Regierungen der Welt aufgefordert, sich unter anderem auf eine Pandemie vorzubereiten. Wobei man korrigieren muss, dass es dabei nicht nur um die Influenza geht, sondern letztendlich auch andere communicable diseases eine Pandemie auslösen können.

ES gibt einen Rahmenplan, der Leitlinie dafür ist, was man auf Staatsebene machen soll. Und dazu gehört natürlich auch, dass man im Personal und Materialbereich entsprechende Vorräte und das wenige nur zu überhöhten Preisen.

Auf Basis dieser Erkenntnisse hat man in Österreich um die Jahrausendwende begonnen, einen Pandemieplan zu erstellen neben auch materiellen Vorbereitungen. Nach einigen Jahren der Weiterentwicklung trat dann ein stillstand ein. Warum?

Der massive und ungebremste Einfluss von Ökonomen und Wirtschaftlern führte dazu, dass die Spitäler keinerlei Leistungsreserven haben. Material soll täglich geliefert werden, denn Vorräte kosten Geld. Und wichtig, dass man alle Produktionsstätten in Billiglohnländer verlegt, um die Gewinne der Konzerne zu maximieren. Das es dann lange und in politischen Krisen unsichere Transport Wege gibt, spielt natürlich für die Ökonomen keine Rolle. Denn es ist ja nur der Patient, der drunter leidet.

Der jetzt tätige Gesundheitsminister ist die falsche Adresse, da er richtigerweise eine Altlast an Unsinnigkeiten geerbt. Seine gestrige Feststellung, man müsse in wichtigen Bereichen eine gewisse Versorgungsautarkie erreichen, ist keine neue, aber wichtige Erkenntnis. Man kann nur hoffen, dass diese Linie, wenn einmal die Pandemie vorbei ist, auch weiter Gültigkeit hat.

Was wir uns Ärzten vorwerfen müssen, ist, dass wir uns nicht schon früher gegen diese menschenverachtende und gefährliche Entwicklung gewehrt haben. Jetzt tritt der Präsident der Ärztekammer auf und beklagt, dass wir kein medizinisches Verbrauchsmaterial bekommen. Richtig.

Nur hätte das schon vor 10 Jahren geschehen sollen und jedes Mal zu dem Zeitpunkt, wo entweder eine Produktionsstätte ins Ausland verlegt wird oder wir in Österreich ersatzlos eine wichtige Produktion verlieren. Das geht weit über die Kompetenzen eines Gesundheitsministers hinaus. Alle Politiker müssen lernen, dass es heißt

Health in all Policies

Hätte man das ernst genommen, so wären nicht die Tourismusbetriebe im Westen bis zum Schluss auf vollen Touren gelaufen und hätten mitgeholfen, tausende Coronavirusfälle in Europa zu exportieren. Man hätte früher die Grenzen für den allgemeinen Verkehr schließen müssen und nicht der Frächter Lobby gehorchen. Selbstverständlich bedeuten alle einschränkenden Maßnahmen eine riesige Gefahr und Existenzbedrohung für die Wirtschaft. Nur wenn Regeln zu spät aufgestellt und umgesetzt werden, ist der Schaden ein Mehrfaches größer, weil eben die Pandemie langsamer abklingt.

Und bei rechtzeitigen Vorbereitungen auf eine mögliche Pandemie hätte man auch das Patientenmanagement besser hingekriegt. Richtig ist, dass man Patienten ersucht, nur in Akutfällen Ordinationen aufzusuchen und nach Möglichkeit probiert, „Coronapatienten“ umzuleiten. Was nicht immer gelingen kann. Aber vergessen wir nicht eine große Anzahl hunderttausender chronisch Kranker, die in gewissen Abständen einen Arztkontakt brauchen oder eben die Durchführung elektiver Eingriffe, wird nun ersatzlos aufgeschoben. Damit wächst jede Woche die Warteliste für alle möglichen Operationen an. Dauerschäden können unter Umständen entstehen, wenn zu spät diagnostiziert oder operiert wird. Nach der Akutphase brauchen wir nun für diese speziellen Probleme bald eine maßgeschneiderte Lösung. Und diese kann nicht Patientenverweigerung heißen.

Mit allen notwendigen flankierenden Maßnahmen: wie ausreichende Versorgung mit Schutzbekleidung. Denn vergessen wir nicht, dass ein Teil der plötzlich verfügten Operationssperre für Routineeingriffe nicht nur wegen der Freihaltung von Intensivbetten passierte, sondern weil sich auch in den Spitälern ein Materialmangel abzeichnete. Was alle Insider wissen.

Und in den Spitälern und Pflegeeinrichtungen werden nun ältere Menschen, aber auch alle anderen Patienten quasi in „Einzelhaft“ gehalten. Keine Besuche, keine Kontakte. Hier hätte ich mir von den Spitalsträgern und Landespolitikern erwartet, dass man auf Stationsebene Möglichkeiten für Patienten schafft-Ältere werden dabei eine Hilfe brauchen- mit audiovisuellen Hilfsmitteln mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben. Sonst werden Angststörungen und Depressionen exponentiell zunehmen. Und wir Ärzte müssen hier als das mahnende Gewissen auftreten und dürfen nicht in Trägheit verfallen.

Health in all Policies

Prof.Dr.Hubert Hrabcik

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