COVID-19 Quarantäne: Bericht einer Betroffenen.

Quarantäne

19:33 Uhr, das Handy klingelt:

„Grüß Gott, hier MA15 – Impfservice. Ihr Kind war bei einer Schulveranstaltung in Kontakt mit einer Person, die positiv auf Covid-19 getestet worden ist. Das betroffene Kind muss sich ab sofort mit einer Betreuungsperson in Quarantäne begeben. Wenn noch weitere Personen in diesem Haushalt wohnen, müssen diese räumlich getrennt werden; d.h. sich in anderen Zimmern aufhalten. Diese Personen sind nicht in Quarantäne und müssen ihrem täglichen Leben nachgehen (Arbeit/Schule/Einkaufen etc.).

Weiters sind Küche und Bad nicht gleichzeitig zu nutzen, sondern hintereinander. Gegessen werden soll getrennt / nach einander. Die Quarantäne dauert 14 Tage.

Bitte überlegen Sie wer konkret mit dem Kind in Quarantäne geht, morgen wird jemand anrufen um das in den Bescheid aufzunehmen.“

Nachdem mir die freundliche Dame noch 2 Telefonnummern (die eine vom Bezirksgesundheitsamt und die andere für ein 24 Stunden Service) genannt hat, wies sie mich noch an täglich per email einen Statusbericht zu liefern, bei Symptomen 144 zu rufen und häufig die Hände zu waschen.

Danke, jetzt kenne ich mich aus.

Tag 1 in Quarantäne:

Am nächsten Tag meldet sich ein Herr vom Bezirksgesundheitsamt und nimmt tatsächlich meinen Namen auf. Allerdings erklärt er uns die Quarantäne dauert 15 Tage, man hätte sich beim 1. Mal verrechnet. („Aha?“) Er hat eine gratis-Schutzmaske zur Abholung bei sich liegen, ich soll rasch vorbeikommen um die eine zu holen und mir zusätzliche in der Apotheke besorgen. („Wie, bin ich nicht in Quarantäne???“) Tatsächlich sage ich aber: „Man kann überall lesen, dass Schutzmasken nicht sinnvoll sind???“ „Hören Sie, ich bin vom Gesundheitsamt, glauben Sie mir, ich weiß was ich sage. Sie brauchen die 3-lagigen.“ „Wer soll die Maske tragen, das Kind, zuhause in Quarantäne?“ „Ja, und Sie sollten eine tragen, wenn Sie dem Postboten die Türe öffnen.“ („Ich bin doch nicht krank???!!!“) Ich gebe auf.

An diesem Tag versuche ich unser Familienleben zu reorganisieren, als mein Kind plötzlich anfängt zu fiebern. Ich wiederhole die Messung mehrmals und rufe schließlich die Rettung, die zusagt in Bälde jemanden vorbei zuschicken. 30 Minuten später meldet sich tatsächlich jemand um mir allerdings mitzuteilen, dass die Rettung leider nicht mehr zuständig ist. Ich möge 1450 anrufen und mir dafür Zeit nehmen. Nach 62 Minuten in der Warteschleife: „Es ist derzeit soviel los, wir rufen Sie später zurück“. An diesem Tag erfolgte kein Rückruf (und auch nicht in den folgenden Tagen).

Was nun? Ich schreibe also die Statusmeldung an die genannte email-Adresse. Vielleicht sitz dort jemand, den das Fieber meines Kindes interessiert? Fehlanzeige – keine Rückmeldung.

Tag 2 in Quarantäne:

Glücklicherweise hat mein Kind am nächsten Tag keinerlei Symptome und beschließe mir keine Sorgen mehr zu machen.

Tag 3 in Quarantäne:

Der Postbote klingelt – besonders intelligent: Ein Rsa; ich muss unterschreiben. Der Postbote drückt mir seinen Kulli in die Hand („Hat der Glück, dass ich nicht krank bin. Aber könnte ich dennoch Überträger sein? Zu spät.“). Der übermittelte Bescheid trägt 2x einen falsch buchstabierten Namen, die Quarantänezeit von 15 Tagen und besagt, dass nur das betroffene Kind in Quarantäne steht. („Gut für den Postboten…“)

Tag 4 in Quarantäne:

3 Tage nach dem Fieber, man möchte es kaum glauben, meldet sich endlich jemand. Es ist der einsame Herr, der die Mails durchschauen muss und mir sein Weh klagt. Er verspricht mir sich um den Fall zu kümmern und tatsächlich kommt 8 Stunden später jemand, der bei meinem Kind einen Abstrich durchführt. Er kommt im Vollkörperschutz (auch wenn ihm die Einwegüberschuhe fehlen), nimmt den Abstrich und sagt: „Sie sollten alle zuhause bleiben“ („Waaaaas????“), streift den Vollkörperschutz in unserem Vorzimmer ab, gibt alles in ein Mistsackerl, schließt unsere Wohnungstüre mit dem Fuß und geht.

Die Diskussion über die widersprüchlichsten Aussage zur Quarantäne möchte ich nun nicht mehr führen. Ich bin zermürbt und mach mir meine eigenen Gedanken…

Zwischendurch meldet sich mein Arbeitgeber mehrmals; er meint ich könnte die Quarantäne-Zeit zum Arbeiten nutzen…

Verbesserungsvorschläge:

  1. HOMOGENE Informationen! (Egal ob von Beamten oder den Medien!)
  2. Am besten schriftlich um Missverständnissen vorzubeugen.
  3. Ein Steckbrief für den schnellen Überblick wäre hilfreich. Eckdaten: Name des Erregers, Name der Krankheit, Übertragungsweg und Lebens- und Infektionsfähigkeit außerhalb des Wirts (-> sind Masken oder Desinfektion hilfreich?), Inkubationszeit, Symptomatik, Wie viele Tage vor Symptomatik ist ein Erkrankter ansteckend, Basisreproduktionszahl RO und Sterblichkeitsrate.

Name der Betroffenen bekannt.

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