Krampf mit Corona-Virus und tölpelhafte Public Health – 15.02.2020

Die letzten Wochen lenken die Aufmerksamkeit tatsächlich wissenschaftlich orientierter Ärztinnen und Ärzte- nicht jener, die in Wiener Walzerseligkeit meinen, dass die Grippe und Ähnliches ohnehin unbedeutend, obwohl jedes Jahr in Österreich etwa 1500-2000 an der Influenza sterben-auf die vorerst nur mediale Berichterstattung über Auftreten und nun die Pandemie des Coronavirus COVID-19

Wir wissen wenig über die Herkunft, die Infektiösität, Variabilität und Gefährlichkeit dieses Virus und haben bis dato keine spezifische, nur eine symptomatische Therapie. Wissenschaftliche Untersuchungen sind angelaufen, natürlich fehlen noch Ergebnisse. Das Coronavirus zu den RNA-Viren mit besseren Reparaturmöglichkeiten zählen, macht Wirkungsansätze, die beim Grippevirus helfen würden, schwer.

Coronavirus: sehr variabel, wie nun mal RNA-Viren sind, aber trotzdem Möglichkeiten der Selbstreparatur, was den Therapieansatz nicht erleichtert.

Beurteilt man die Situation im riesigen China realistisch nicht jedes Dorf hat dort einen Gemeindearzt- muss eine wesentlich höhere Dunkelziffer bei Infizierten,Erkrankten und Todesfällen angenommen werden. Man kann die derzeit bekannten Zahlen ruhig mal 10 multiplizieren, dann kommt man der Wahrheit näher. Wobei man sich hüten sollte, hier China etwas zu unterstellen. Die rasche Entwicklung lässt auch dort viele Strukturen ins Wanken kommen. Richtig sind die Aussagen der WHO, dass China materielle, wissenschaftliche und personelle Unterstützung braucht.

Ich gebe unserem Gesundheitsminister, der sich öffentlichkeitswirksam gegen Grippe impfen ließ-Bravo dafür, weil diese Grippeepidemie derzeit wesentlich gefährlicher, recht, dass wir die jetzige Situation gut beherrschen können.

Aber was passiert, wenn wir eine höhere Zahl an infektiösen Erkrankten haben, die z.B in Wien in eine Isolierstation für hochinfektiöse Erkrankungen gehören. Wien hat 4 Betten dafür, was für eine 2-Millionenstadt eine erbärmliche Zahl. Vor Jahren sind Pläne zur Errichtung einer solchen Station in Österreich an der mangelnden Kooperation der Länder, die Wien allein ließen, gescheitert und an der „Sabotage“ durch Ökonomen und sogenannte Gesundheitsexperten, die alles für unnötig hielten nach der Devise,:es wird schon nichts passieren. Wo steht denn das notwendige L4-Labor in Österreich?

In China geht jetzt die Schutzkleidung langsam aus, es gibt keine Schutzmasken mehr. Interessant wäre zu hören, ob und in welcher Menge Österreich hier Notvorräte hat. Denn zu glauben, dass in einer Krisensituation am freien Markt etwas erhältlich ist, ist eine Illusion.

Der neue Gesundheitsminister wäre gut beraten, in größter Offenheit die Ist-Situation darzustellen und vor allem die Länder als Spitalsträger in die Pflicht zunehmen.

So ein Weckruf sollte als Chance genommen werden, unsere Vorbereitungen auf einen seriösen, wissenschaftlich fundierten und aktuellen Stand zu bringen.

Und vor allem auch die Bevölkerung laufend und unaufhörlich zu instruieren, wie wichtig Prävention und Vorbeugung ist.

Die ständig sinkenden Teilnahmezahlen am kostenlosen Kinderimpfprogramm sind für Österreich eine Schande. In vielen Ländern der Welt ist die Dankbarkeit riesig, wenn dort Eltern die Chance bekommen, ihre Kinder zu schützen.

Wer sich wirklich up to date informieren will, sollte die Homepage des ECDC=European center for disease control and prevention besuchen, wo sowohl in Deutsch als auch Englisch tagtäglich aktuelle Zahlen, aber auch Beurteilungen zu finden sind. Und nicht nur über das Coronavirus, sondern auch alle anderen communicable diseases. Bei uns sind die Informationen ständig Tage alt und zum Teil gefiltert.

Prof.Dr.Hubert Hrabcik hubert.hrabcik@aon.at

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